Mit voller Kraft in die Zukunft des griechischen Fern- und Regionalverkehrs
Griechenland erlebt eine bahnbrechende Wende im Bahnsystem: Hellenic Train treibt die Zertifizierungs- und Dynamiktests zweier ambitionierter Trassenprojekte voran. Auf einer Seite die Coradia Stream-Flotte von Alstom, die in der griechischen Netzinfrastruktur auf Herz und Nieren geprüft wird, und auf der anderen Seite die Blues Intercity-Triebzüge von Hitachi Rail, die sich in der griechischen Landschaft in dynamischen Tests behaupten müssen. Ziel beider Programme ist es, komfortable, sichere und emissionsarme Bahnreisen im Streckennetz von Athen bis Thessaloniki und darüber hinaus zu ermöglichen.
Coradia Stream: 160 km/h auf griechischen Schienen – was wirklich getestet wird
Der Fokus des Coradia Stream-Tests liegt auf der Kompatibilität mit der griechischen Bahninfrastruktur sowie der Leistungsfähigkeit der Traktions- und Energiesysteme. Die Züge lösen Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h aus, während Energiemanagement und Traktionssteuerung in realen Streckenbedingungen geprüft werden. Zusätzliche Prüfungen betreffen ETCS (European Train Control System) und GSM-R, um sicherzustellen, dass moderne Züge vorausschauende Signalisierung und sichere Kommunikationsgruppen bilden. Die Begutachtung der technischen Dokumentationen erfolgt parallel zur Erfassung von Betriebserfahrungen, die später in den ERA-Zertifizierungsprozess einfließen.
Die Erstzertifizierung soll es ermöglichen, dass die Züge in naher Zukunft offiziell im Passagierverkehr eingesetzt werden können. Bis genial bleiben die Coradia Stream-Einheiten jedoch als spezialisierte Test- und Demonstrationsfahrzeuge klassifiziert, deren primäre Aufgabe die Verifizierung aller Systeme in der griechischen Netzinfrastruktur bleibt. Im Idealfall liefern die Berichte des Testprogramms belastbare Daten, die eine reibungslose RAS-ERA-Zertifizierung unterstützen und die Grundlage für weitere Flottenausbauten legen.
23 Coradia Stream-Triebzüge: Vom Prototyp zur Serienflotte
Griechenlands Plan umfasst die Beschaffung von 23 Coradia Stream-Triebzügen mit sechs Wagen pro Set. Diese Züge sind darauf ausgelegt, das Stadt- und Fernverkehrsprofil zu bedienen – vom Athen–Thessaloniki-Korridor bis hin zu regionalen Verbindungen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und ERTMS Level 2 sowie integrierten YBI (Passenger Information Systems)-Systemen bieten sie moderne Fahrgastinformation. Spezielle Bereiche für Fahrräder und Kinderwagen erhöhen die Zugänglichkeit, während das Bahnnetz durch verbesserte Wartungsfreundlichkeit und zukunftssichere Elektronik gestützt wird.
Blues Intercity: Hybrid-Strategie für unentschlossene Netze
Gleichzeitig getestet Hellenic Train die Blues Intercity-Hybridzüge von Hitachi Rail. Die dynamischen Tests beginnen mit dem ersten Zug auf der Route Thessaloniki–Larissa–Athen und der zweite Einheitenstandort ist bereits in Griechenland eingetroffen. Ziel ist es, die Leistung der Hybrid-Technologie in Verbindung mit dem vorhandenen Netz zu bewerten – insbesondere auf Strecken mit unzureichender Elektrifizierung. Diese Züge kombinieren Diesel-Elektrik mit einem Batteriesystem, das den Verbrauch senkt und Emissionen reduziert.
Jede Blues-Intercity-Einheit umfasst rund 200 Sitzplätze und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die integrierte Battery-Hybrid-Technologie basiert darauf, den Treibstoffverbrauch gegenüber konventionell dieselbetriebenen Zügen um bis zu 50 % zu verringern, insbesondere auf weniger elektrifizierten Abschnitten. Diese bedeuten nicht nur geringere Betriebskosten, sondern auch eine deutlich geringere Umweltbelastung.
Warum dieses Programm wichtig sind – technischer Tiefgang und operative Reife
Beide Programme fokussieren sich auf eine risikominimierte Einführung im kommerziellen Bahnbetrieb. Die Technik- und Sicherheitsprüfungen reichen von der Traktions- und Energiesystemanalyse über die ETCS-/GSM-R-Interoperabilität bis hin zur vollständigen Dokumentations- und Zertifizierungsphase. Die Zusammenarbeit mit ERA und RAS wird als entscheidend angesehen, um eine reibungslose Zulassung zu gewährleisten. Das Vorgehen folgt internationalen Standards und stärkt die moderne Netzintegration in Griechenland.
Ausblick: Was bedeutet das für Fahrgäste?
Für Pendler und Reisende bedeutet dieser Wandel eine spürbare Verbesserung der Bahninfrastruktur und des Fahrkomforts. Die Coradia Stream-Flotte verspricht eine zuverlässige Fahrgastinformation, bessere Beschleunigung und höhere Effizienz auf Hauptachsen. Die Blues Intercity-Hybride bieten eine grünere Alternative auf Strecken, die elektrisch nur eingeschränkt versorgt sind, und gewährleisten trotzdem hohe Reisegeschwindigkeiten. Damit rückt der Schwerpunkt von Griechenland im europäischen Bahnsystem weiter nach vorne – hin zu mehr Nachhaltigkeit, Interoperabilität und Verlässlichkeit.
Dieses Doppelprojekt zeigt, wie nationale Bahnbetreiber innovative Technologien nutzen, um die Fahrgastzufriedenheit zu erhöhen und gleichzeitig die CO2-Bilanz zu verbessern. Die Ergebnisse der laufenden Tests werden entscheidend dafür sein, wann die ersten Züge offiziell in den Regularbetrieb übergehen werden – und zwar mit einem Fokus auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Nutzererlebnis.
