
Ab sofort unter Druck: Die Primärversorgung sackt ab und gefährdet die Gesundheitsvorsorge
Die Ableitung von Aufgaben aus der Arztpraxis zu Bürokratie, Veri g eingaben und KPI-Druck macht den Arbeitsalltag der AIMG -Ärztinnen und -Ärzte zu einer täglichen Gratwanderung. Anstatt sich auf Vorsorge und Behandlung zu konzentrieren, steckt die Vielzahl der Hausärzte im administrativen Spagat zwischen Dateneingabe, Dokumentationspflichten und Leistungskontrollen. Die Folge: weniger Zeit für Patientinnen und Patienten, erhöhtes Burnout-Gefahr und eine Instabilität der Erst- und Basisversorgung.
Verstärkter Arbeitsdruck: Wer büroisiert die Praxis?
Seit Jahren steigt der Arbeitsaufwand in den Hausarztpraxen. Täglich melden Ärzte, dass sie bis zu Dutzenden Patienten begegnen, gleichzeitig sie vernetzte Systeme nutzen müssen, um Daten zu erfassen, Behandlungspläne zu dokumentieren und Vertrags- bzw. Leistungskennzahlen zu erfüllen. Besonders problematisch ist die HYP-Befürwortung der Monitoring-Zahlen. Solche Anforderungen verlagern den Fokus der individuellen Betreuung auf die Erfüllung von Kennzahlen, wodurch Behandlungsqualität und Konsistenz leiden.
Häufige Schmerzpunkte in der Praxis
- Mangel an qualifiziertem Personal am Empfang und in der Assistenz, wodurch Ärzte und Ärzte viel Zeit mit administrativen Tätigkeiten verlieren.
- Verteilte Systeme und redundante Dateneingaben führen zu Doppelarbeit und Fehlerquellen.
- Kennzahlenorientierte Abrechnung ersetzt individuelle Behandlungsplanung und Prävention.
- Die physikalische Infrastruktur bleibt oft veraltet, wurde Sicherheit und Effizienz beeinträchtigt.
Ein konkretes Beispiel: Wenn eine Praxis täglich 50 Patienten betreut, müssen pro Patientendaten registriert werden. Dieses zusätzliche Zeitpensum reduziert den Raum für präventive Maßnahmen wie Früherkennung, Impfprogramme und individuelle Beratung.
Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten
Überstunden und administrative Lasten verlagern den Fokus von Personal- und Behandlungsqualität auf Abrechnung und Kontingenz. Die Folge: verzögerte Diagnose, längere Wartezeiten und eine sinkende Patientenzufriedenheit. Besonders gefährdete Gruppen – ältere Menschen, chronisch Erkrankte oder Familien mit begrenztem Zugang – spüren die Verschiebung am stärksten.
Wie eine belastbare Primärversorgung gelingt
Um die Primärversorgung wieder in die Kernkompetenz zu rücken, sind drei Mandate zentral: Personalausbau, Effizienz der Datensysteme und realistische Leistungspläne.
1) Mehr Persönliche und Klare Rollentrennung
Eine Second-Line-Position, etwa eine zusätzliche medizinische Schreibkraft oder ein spezieller Verwaltungsassistent, entlastet Ärzte und Ärzte signifikant. Mit entsprechender, standardisierter Schulung lassen sich Datenerfassung und Dokumentation effizient vom eigentlichen medizinischen Prozess trennen.
2) Optimierte Datensysteme und Automatisierung
Moderne Elektronische Gesundheitsakte (EGA) müssen intuitive Schnittstellen bieten, Intelligenzunterstützung liefern und redundante Eingaben reduzieren. Interoperabilität und Single-Source-of-Truth minimieren Fehlerquellen. Prozesse wie standardisierte Vorlagen, KI-gestützte Signalerkennung und regelbasierte Automatisierung verschlanken Arbeitsabläufe, ohne Abstriche bei der Versorgung zu machen.
3) Realistische Leistungskennzahlen
Es braucht Kennzahlen, die die qualitative Versorgung belohnen statt reine Menge zu verfolgen. Risikoadjustierte Abrechnung, patientenzentrierte Outcome-Metriken und eine Berücksichtigung von Präventionsmaßnahmen sorgen für eine gerechte Bezahlung und Motivation des Praxisteams.
Langfristige Systeme: Politische und organisatorische Weichen
Auf höherer Ebene müssen Gesundheitspolitik und Krankenkassen partnerschaftlich neue Strukturen schaffen. Dazu gehören finanzielle Anreize für Stütz- und Sekretariatsstrukturen, Investitionen in die Infrastruktur und klare Prioritäten für Prävention, Früherkennung und chronische Betreuung. Eine gezielte Förderung von ASM-Personals sowie die Bereitstellung von technischer Unterstützung verhindert, dass Ärzte und Ärzte zu Bürokraten werden.
Praxisnahe Schritte, die sofort funktionieren
- Zusätzliche Fachkräfte einsetzen und klare Aufgabenbereiche definieren.
- Systeme modernisieren – Nutzerfreundlichkeit, Interoperabilität und Automatisierung priorisieren.
- Leistungskennzahlen realistisch gestalten und qualitative Ergebnisse belohnen.
- Präventions- und Impfraten erhöhen, um langfristige Kosten zu senken und die Gesundheit zu stärken.
Fazit im Blick der Betroffenen
Die Primärversorgung muss wieder die zentrale Rolle in der Versorgung übernehmen: Zeit für Patientinnen und Patienten, Vertrauen in Ärzte und Ärzte, sowie effiziente Strukturen ohne erdrückende Bürokratie. Wenn Personalressourcen, Systeme und Kennzahlen Hand in Hand gehen, steigt nicht nur die Zufriedenheit des Praxisteams, sondern auch die Behandlungsqualität und der Schutz der öffentlichen Gesundheit.
